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Von der Brandkatastrophe zur Blaupause – Neubau des Busdepots der Stuttgarter Straßenbahnen AG

Nach dem verheerenden Großbrand im Jahr 2021, bei dem eine Abstellhalle der Stuttgarter Straßenbahnen AG schwer beschädigt wurde, entstand in Stuttgart-Gaisburg nun ein neuer, zukunftsweisender Busbetriebshof – modular geplant, nachhaltig gebaut und konsequent auf Sicherheit ausgerichtet.

Der Neubau setzt auf ein innovatives Konzept: Statt einer einzigen, großen Halle entstehen zwölf einzelne Module, mit Feuergassen auf Abstand gesetzt und mit imposanten Bogenträgern aus Brettschichtholz im Wechsel mit Membranflächen überdacht. Im Gegensatz zu Stahl halten die Träger bei Hitze bekanntermaßen länger ihre Tragfähigkeit bei, ohne plötzlich zu versagen – im Notfall verbleibt so wertvolle Zeit zur Evakuierung und den Löscheinsatz. Das innovative Brandschutzkonzept stammt vom international renommierten Ingenieurbüro schlaich bergermann partner.

Die Holzkonstruktion – präzise vorgefertigt und auf Maß geplant – wurde von müllerblaustein HolzBauWerke realisiert. In ARGE mit müller Dach + Solar, die für den Dachaufbau mit extensiver Begrünung und PV-Anlage verantwortlich zeichnen, entstand eine Gesamtlösung, die nicht nur funktional, sondern auch gestalterisch überzeugt. Insgesamt 60 gebogene Leimbinder, jeweils rund 1,6 Tonnen schwer, überspannen stützenfrei 5196 m² Grundfläche, was eine Spannweite von etwa 43 Metern in Längs- und rund 20 Metern in Querrichtung bedeutet. Die Konstruktion pro Modul besteht aus fünf linsenförmigen Dachelementen (je 10 t), die jeweils aus zwei dieser Bogenträger-Paare zusammengesetzt sind. Die Träger sind mit Pfetten verbunden, mit Furnierschichtholzplatten beplankt und unterspannt mit einem Zugband aus Stahl, das für zusätzliche Stabilität sorgt.

Die Herstellung und Lieferung dieser großformatigen Bauteile stellte hohe Anforderungen an Fertigung und Logistik: Aufgrund ihrer Länge und ihres Gewichts wurden die Träger in neun Sondertransporten von Blaustein nach Stuttgart gebracht. Parallel dazu fertigten wir Pfetten, Schichtholzplatten und Vordach-Elemente vor, die konventionell per LKW zur Baustelle transportiert werden konnten.

Eine besondere Herausforderung lag in der präzisen Verbindung der Holzbinder mit der bestehenden Bauwerksstruktur: Die Schnittstellen zu den Sichtmauerwerken sowie zu den Stahlbetonstützen (V-förmige Lisenen) erforderten komplexe Knotenpunkte. Um diese technisch anspruchsvollen Verbindungen sicher und optisch ansprechend zu realisieren, setzten wir verdeckte Stahl-Bolzenverbindungen ein, die durch eingeleimte Holzabdeckscheiben kaschiert sind. Ergänzt werden diese Knoten durch eingeklebte Gewindestangen, was die Tragfähigkeit der Verbindungen deutlich erhöht – bei gleichzeitig minimaler Sichtbarkeit und höchster Ästhetik.

Vor allem die Montage auf der Baustelle erforderte größte Präzision: Ein exaktes Aufmaß der Stahlbetonstützen bildete die Basis, um die Fertigungstoleranzen auszugleichen. So konnten Bohrungen für Zugbandverbindungen gezielt erst vor Ort ausgeführt werden, um eine millimetergenaue Anpassung an die Gegebenheiten zu gewährleisten. Diese Flexibilität war entscheidend, um die hohen Ansprüche an Statik und Sicherheit zu erfüllen.

Der südliche Bauabschnitt mit sechs Modulen, die paarweise angeordnet sind, ging im September 2025 in Betrieb. Der zweite Abschnitt mit weiteren sechs Modulen folgt 2026. Neben der Tragstruktur wurden auch Entwässerung, Kabeltrassen und spätere Erweiterungsoptionen direkt in die Holzkonstruktion integriert – ein weiterer Beleg für die funktionale Tiefe dieses Projekts.

Auch ökologisch setzt das Depot neue Maßstäbe: Wiederverwendete Mauerziegel, extensive Dachbegrünung, eine geplante Photovoltaik-Leistung von 607 kWp sowie eine optimierte Regenwasserrückhaltung zeigen, wie moderne Infrastruktur Hand in Hand mit Klimaschutz gehen kann.

Dieses Projekt zeigt eindrücklich, wie aus einer Katastrophe eine Blaupause für zukunftsfähiges Bauen entstehen kann – und Holz ist der Schlüssel dazu: als zentraler Baustein für Sicherheit, Nachhaltigkeit und architektonische Qualität.

Ingenieurholzbau made by müllerblaustein.

Weitere Informationen zum Projekt: 

Neubau der Abstellanlage beschlossen – Vorarbeiten haben begonnen

Neubau der Abstellanlage für den Omnibusbetriebshof Stuttgart-Gaisburg

Busbetriebshof in Stuttgart-Gaisburg wächst weiter

 

Publikation im Tagungsband der Fachtagung Holzbau BW 11/2025: "Von der Brandkatastrophe zur Blaupause"

 

Visualisierung ©schlaich bergermann partner

 

Entwicklung & Umsetzung
Beratung & Planung
HolzBauWerke
Nominierungen/ Auszeichnungen/Preise
Auftraggeber / BauherrStuttgarter Straßenbahnen AG
StandortUlmer Str. 140/144, 70188 Stuttgart
Architektenschlaich bergermann partner (Stuttgart)
Fertigstellung2026

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Dominik Wowra

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