„Das Stammhaus“ in Bad Wörishofen – Zukunftsweisender mehrgeschossiger Holzbau im urbanen Kontext
Mit dem Neubau entstand in Bad Wörishofen ein modernes Wohn- und Gewerbequartier in nachhaltiger Holzbauweise. Auf einer Bruttogrundfläche von rund 12.500 m² vereinte das Projekt urbanes Wohnen, flexible Gewerbeflächen und hochwertige Aufenthaltsqualität in innerstädtischer Lage. Insgesamt wurden 70 Wohnungen sowie zusätzliche Co-Working- und Gewerbeflächen realisiert. Das Gebäude der Gebäudeklasse 4 umfasst zwei Untergeschosse mit Tiefgarage, ein Erdgeschoss mit Gewerbeflächen in Stahlbetonbauweise sowie vier Obergeschosse in moderner Holzbauweise.
Das Bauvorhaben wurde in fünf Bauabschnitten realisiert und über fünf aussteifende Stahlbetonkerne mit integrierten Treppenhäusern erschlossen. Ab der Decke über dem Erdgeschoss setzte der mehrgeschossige Holzbau an: Vier Obergeschosse entstanden nahezu vollständig in Holzbauweise. Dabei kamen Außenwände in Holzrahmenbauweise sowie Innenwände und Decken aus massivem Brettsperrholz zum Einsatz. Die Wohnungstrennwände wurden als zweischalige Brettsperrholzkonstruktionen ausgeführt. Insgesamt wurden 1.900 m³ Brettsperrholz (BSP) sowie 350 m³ Stabbauteile verbaut – überwiegend aus heimischen Fichten- und Tannenbeständen.
Besonderes Augenmerk lag auf der architektonischen und konstruktiven Qualität des Holzbaus. Sichtbare Holzdecken und teilweise sichtbare Wandflächen prägen den hochwertigen Innenausbau und schaffen eine warme, natürliche Atmosphäre. Die vorgefertigten Wand- und Deckenelemente ermöglichten dabei nicht nur eine hohe Präzision in der Ausführung, sondern auch einen schnellen und vergleichsweise geräuscharmen Bauablauf – ein entscheidender Vorteil innerhalb der innerstädtischen Lage im Kurort Bad Wörishofen.
Die Tragstruktur des Gebäudes basierte auf holzbaugerechten Spannweiten. Brettsperrholzdecken lagerten auf tragenden Innenwänden beziehungsweise ergänzenden Unterzügen und deckengleichen Trägern auf. Die horizontalen Lasten wurden über schubsteif angeschlossene Deckenscheiben in die Stahlbetonkerne eingeleitet. Die Balkonkonstruktion im Innenhof folgte einem eigenständigen Tragwerkskonzept mit Stahlstützen und umlaufenden U-Stahlprofilen auf denen die unterseitig sichtbaren Brettsperrholz-Balkonplatten auflagern
Bereits in der frühen Bauphase stellte das Projekt hohe Anforderungen an Planung und Ausführung. Aufgrund des hohen Grundwasserstands musste die Tiefgarage in wasserundurchlässiger WU-Bauweise realisiert werden. Zusätzlich erforderte die Wasserhaltung während der Bauzeit besondere Maßnahmen, um die Baugrube dauerhaft trocken zu halten. Beim Rückbau der Bestandsgebäude wurde zudem eine Kontamination des Bodens durch Heizöl festgestellt, wodurch belastetes Material fachgerecht entfernt und das entnommene Wasser entsprechend gereinigt werden musste.
Eine weitere besondere Herausforderung ergab sich aus der innerstädtischen Lage des Projekts. Die Baustellenlogistik erforderte eine exakte Taktung der Lieferungen, da nur begrenzte Flächen für Lagerung und Umschlag zur Verfügung standen. Gleichzeitig musste die Ausführung aufgrund der Lage im Kurort mit besonderem Fokus auf geringe Lärmemissionen erfolgen. Der hohe Vorfertigungsgrad im Holzbau sowie die schnelle, trockene Bauweise wirkten sich hierbei positiv auf den Bauablauf aus.
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor des Projekts war die interdisziplinäre Zusammenarbeit innerhalb der Geiger Gruppe. Geiger Umweltsanierung übernahm die Aufbereitung und fachgerechte Entsorgung der kontaminierten Böden, während Geiger Projektentwicklung und Geiger Schlüsselfertigbau die Gesamtkoordination und Umsetzung des Bauvorhabens verantworteten. Die Tragwerksplanung wurde durch müllerblaustein Ingenieure – jetzt die eins Plan GmbH – sichergestellt. Wir von müllerblaustein waren für die holzbaugerechte Werkstattplanung auf Grundlage der Ausführungsplanung sowie für die Ausführung des Holzbaus verantwortlich und haben die komplexe Holzbaukonstruktion in enger Abstimmung mit allen Projektbeteiligten umgesetzt. Durch das enge Zusammenspiel aller Fachbereiche konnten Schnittstellen effizient koordiniert und ein durchgängig abgestimmter Bauablauf sichergestellt werden.

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Dominik Wowra
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